Das Smartphone. Ein Appell für mehr Aufmerksamkeit.
Samuel R. Jackson sprach unlängst darüber, wie es am Set von Quentin Tarantino zugeht. Jeder muss sein Smartphone am Eingang abgeben. Wenn gerade nicht gedreht wird, läuft Musik, man tanzt dazu, man lacht, tauscht sich aus. Tarantino selbst erzählt Geschichten, woher er die Ideen zu den Szenen genommen hat und welche Bedeutung sie für ihn haben. Es muss eine irre schöne Stimmung sein.
Ich habe dazu gerade zwar nicht weiter recherchiert, aber sicherlich gibt es Studien zu solch einer Arbeitsumgebung und wie viel Kreativität, Motivation und Wohlbefinden sie hervorruft. Alles andere würde mich wundern. Vielleicht erübrigen aber auch Tarantinos Erfolge die Forschung, sind Beweis genug, dass das Starren auf das Smartphone ein unvergessliches Miteinander verunmöglicht. Letztendlich wissen wir das selbst.
Vor allem, dass es ziemlich frustrieren kann.
Ich war diesen Monat eingeladen, vor einem Geschäftsführer, seinem Marketingleiter und einem Sales-Mitarbeiter einen Vortrag über (meine Ideen von) Branding zu halten. Zugegebenermaßen war ich schon vorher vom Geschäftsführer des Unternehmens beeindruckt – sehr klar, sehr aufmerksam, sehr smart. Im Laufe des Vortrags wusste ich, dass ich mich nicht in ihm getäuscht hatte. Er war der Einzige im Raum, der mir während meiner gesamten Redezeit zuhörte. Sales & Marketing hingegen griffen ununterbrochen zu ihren Smartphones, tippten und scrollten teils minutenlang. So motivierend das eine, so frustrierend war das Verhalten der anderen, denn auch, wenn ich eine gewisse Routine – und große Freude – im Halten derlei Vorträge habe, so bereite ich mich doch individuell vor, mache mir Gedanken, recherchiere gezielt zu den besonderen Herausforderungen des Plenums.
Als ich an einer Stelle fragte, ob ich unterbrechen solle, damit die offensichtlich wichtigen Dinge kurz erledigt werden könnten, wurde mir gesagt, nein, nein, man würde nur parallel das Gehörte recherchieren und nachlesen. Hmmmmm … Ich überlege gerade: Ist es aufgrund der permanenten Verfügbarkeit allen Wissens dieser Erde Normalität geworden, dass man das gerade Gehörte unbedingt und sofort verifizieren muss? Sollten wir uns nicht einfach mal wieder auf den Augenblick einlassen, besonders dann, wenn man sich Zeit für Inspiration geblockt hat? Dass das Verhalten grundsätzlich nicht sonderlich wertschätzend ist, bedarf keiner Vertiefung.
Schade, dass ich erst später über Tarantinos Set-Gepflogenheiten gelesen habe. Sie sollten für jedes Meeting immer und überall übernommen werden.
Und jetzt, wo ich so darüber nachdenke: Vielleicht sollte ich einfach zu meinen nächsten Vorträgen einen Jammer und eine Musikbox mitnehmen. #Letslisten #Letsdance :)