»Sie sollten Vorträge über Motivation halten«

Manchmal sollte man aufmerksam sein und glauben, was andere uns sagen. Aber manchmal dauert es auch eine ganze Weile, bis die Zeit dafür reif ist.

Ich merkte erst mit großer Verspätung, welchen Schatz man mir einst vor die Füße gelegt hatte. Doch der funkelte irgendwie und dieses Funkeln blieb hell, wenn auch noch kein Feuer entstand.

Es war ein Geschäftspartner, der mich gegen Ende der Nullerjahre bei meinen An- und Abmoderationen meines Personalmanagement-Netzwerks management meetings beobachtet hatte und mir eines Tages sagte: »Sie sollten Vorträge über Motivation halten!«

Ich schätze ihn sehr, gab und gebe (heute gehört er zu meinem engsten Bekanntenkreis) ganz grundsätzlich viel auf das, was er sagt. Daher setzte ich mich damals einen Nachmittag mit dieser Idee auseinander, versuchte meine Gedanken zu Papier zu bringen und einfach mal so zu tun, als ob ich einen Vortrag zu Motivation halten würde.

Nun, dieses »Sie sind/Du bist so motivierend« war zwar durchaus eine der häufigsten Rückmeldungen, die ich erhielt, weswegen ich auch damals annehmen durfte, dass ich auf andere entsprechend wirke. Aber ich wusste einfach nicht, woher diese Wirkung kam und wie ich sie anderen so vermitteln konnte, dass sich auch für sie Türen öffnen würden – also so richtig, nicht nur ein bisschen Tschakka und Kalenderspruch.

Was genau tut man, wenn man andere motiviert?

Ich bin an jenem Nachmittag nicht sehr viel weitergekommen, aber es hat mich nicht wieder losgelassen und so suchte ich weiter, um dem Phänomen auf die Spur zu kommen. So lange, bis es heute in meiner Rolle als Branding-Expertin zu meiner zentralen (und schönsten) Aufgaben geworden ist, meine Mandanten dazu zu bringen herauszufinden, was sie motiviert und wie sie andere motivieren können. Aber dazu nochmal später. Zunächst einmal:

(M)eine kleine Geschichte der Motivation

Motivation habe ich selbst bewusst – und extrem nachhaltig – erstmals durch meinen Französischlehrer erfahren. Lieber Herr Ehrmann, wenn Sie diese Zeilen je lesen sollten: Sie waren toll!

Die Begeisterung für die französische Sprache war mir früh vermittelt worden. Meine Ma hörte in den 70gern ununterbrochen französische Chansons – Charles Aznavour, Gilbert Bécaud, Alain Barrière oder auch Georges Moustaki und selbstverständlich die Piaf. Wir klebten zusammen vor dem Fernseher, wenn Delon mit der göttlichen »La Déesse«, dem legendären Citroën, die kurvigen Straßen entlang der Côte fuhr, Piccoli und die Schneider ihre Liebe suchten und vergötterten Belmondo und die Deneuve. Naja, ein bisschen wie alle, aber vielleicht auch ein bisschen mehr.

Entsprechend wollte ich später unbedingt Französisch Leistungskurs nehmen, wusste jedoch, dass besagter Herr Ehrmann nur die Besten in seinem LK haben wollte. Dazu gehörte ich nicht. Ich war durchschnittlich, trotz – aufgrund? – dieser tief empfundenen Ehrfurcht für diese schöne Sprache. Dennoch nahm ich allen Mut zusammen und bat ihn um ein Gespräch. Seine Antwort: »Undine, Du schaffst das, ich helfe Dir!« Ihr Leser*innen werdet Euch vorstellen können, wie glücklich ich war, ängstlich sicherlich auch, denn ich wusste ob der Herausforderung. Aber vor allem war ich motiviert bis zur letzten Seite des dicken grünen PONS, sah ich durch seine Worte doch meinen Traum vor mir.

Das erste Quartal nahm sich dennoch recht bescheiden. Meine Noten lagen nicht mal mehr im durchschnittlichen, denn im unteren Bereich – das Niveau von der 11. auf die 12. Klasse LK hatte enorm angezogen. Schlimmer als mein unzureichendes Abschneiden war, dass ich die Erwartungen an mich enttäuscht sah – »Du schaffst das« hallte weiterhin in meinen Ohren.

Aber Herr Ehrmann hielt Wort. Er gab mir alte Klausuren mit, die ich zu Hause bearbeitete und ging in den Pausen mit mir meine Fehler durch. Ich selbst tat mein Übriges, las mir täglich laut aus dem französischen Kinderbuch »Le Petit Nicolas« vor, bis ich die Geschichten beinahe auswendig kannte, übersetzte mir die Lieder von Jean-Jaques Goldmann und hörte sie parallel rauf und runter. Auf meinem Nachttisch lagen Vokabelhefte statt Bücher und an meinen Wänden klebten Wörter, Sätze und Grammatikregeln, die ich mir nicht so gut merken konnte.

Und ja, »le travail acharné porte ses fruits«: Ich gelangte sukzessive ins Feld der Besten (und ging zwei Tage nach dem Abitur für ein Jahr nach Frankreich, wo ich mich mit meiner Motivation und ihren sich anschließenden Erfolgen im Gepäck, Richtung Perfektion arbeitete).

Doch was ist die Moral von der Geschicht’? Wenn ich jemanden wirklich motivieren möchte, dann ist es nicht mit einem bloßen Zuspruch getan. Es muss etwas Bleibendes vermittelt werden. Sei es durch eine solch enorme Hands-on Hilfestellung wie die, die ich durch meinen Lehrer erfahren habe, sei es, dass ich als Motivationsgeber weiterhin ansprechbar bin oder sei es eine Nachdrücklichkeit, die aufgrund ihrer gezielten mit Emotionen verknüpften Vermittlung weiterhin als starker Antreiber im Gedächtnis bleibt. Dann wird die Motivation Wirkung zeigen. Und ganz nebenbei kann ich mir ziemlich sicher sein, dass ich etwas zurückbekomme. Zumindest kann ich mich sehr gut erinnern, dass Herr Ehrmann durchaus Stolz verspürte, als er mir erstmals eine Klausur im zweistelligen Punktebereich übergab.

Daher an dieser Stelle: »Danke, dass Sie an einen jungen Menschen geglaubt haben und Ihren Worten haben Taten folgen lassen, lieber Herr Ehrmann.«

Was ist Motivation?

Gehen wir aber nochmal etwas näher auf diese offensichtlich starke Kraft der Motivation ein. Beschrieben wird sie auf Wiki als »die Gesamtheit aller Motive und Beweggründe eines Menschen, die zum Handeln führen, und das auf emotionale und neuronale Aktivitäten zurückzuführende Streben nach Zielen oder wünschenswerten Zielobjekten.« (Auszug)

Das beantwortet erst einmal, was uns morgens aus dem Bett bringt. Für mich kann ich das sehr schnell beantworten – #IlovemyJob – denn ich glaube, dass ich es schaffe, aus jedem meiner Mitmenschen diese Motivation herauszuarbeiten, mit der sie die Welt um sich herum inspirieren können. Das motiviert mich wiederum ganz ungemein, denn was gibt es Schöneres als andere dazu zu bringen, an sich zu glauben, Begeisterung aus sich herauszuholen und dabei auch noch ein klein wenig selbst glücklich zu werden (Nochmal. Hallo, Herr Ehrmann!).

Die Definition trifft aber auch noch einen weiteren Kern. Wenn wir über den Kalenderspruch hinaus motivieren wollen, dann sind da ganz gewaltig viele Emotionen im Spiel. Ohne die Liebe zur französischen Sprache wäre ich nie so weit gekommen. Ohne dieses unbedingte Wollen, das Vertrauen in mich nicht zu enttäuschen, hätte eine wichtige Triebfeder gefehlt. Und ohne meine absolute Glückseligkeit, die ich jedes Mal empfand, wenn ich beobachtete wie auf den von mir organisierten Netzwerktreffen sich die Teilnehmer tief in die Themen einwühlten, sich dabei kennenlernten und ihr Wissen nur allzu gerne weitergaben, hätte ich nicht die Motivation ausgestrahlt, die mir das entsprechende Feedback meines Bekannten und des Plenums gegeben haben und das viele der Anwesenden offenbar mit sich nach Hause trugen.

Warum die eigene Motivation suchen?

Und damit sind wir beim eigentlichen Punkt: Wenn wir wissen, was uns motiviert, warum wir morgens allzu gerne das Bett verlassen, wenn wir es fühlen und klar vor Augen haben, was uns bewegt und wohin wir uns bewegen wollen und die »Motive und Beweggründe« für unser Handeln und unsere Ziele kennen, dann macht uns das stark, überzeugend und stiftet übrigens zudem das überaus wichtige Vertrauen, das Brücken baut.

Durch eine klare Motivation können wir uns (weiter)entwickeln, im Leistungskurs Französisch von 4 auf 14 Punkte klettern und unseren Mandaten ein Lächeln aufs Gesicht zaubern, wenn sie ihre eigene Motivation nach einem Coaching in einem Satz benennen und so zum Zentrum ihres Handelns, ihrer Überzeugungskraft machen können und damit nicht nur sich selbst, sondern auch anderen Türen öffnen können. Dieses »Du bist so motivierend« kommt dann nicht mehr von ungefähr.

Ach so, ja, die Vorträge? Ja, liebster Toni, die halte ich inzwischen, Danke auch Dir an dieser Stelle für Deine stete Motivation in den vergangenen 17 Jahren. Sie hat mir so oft geholfen.

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(Wie) geht: Einfach mal total authentisch sein?

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Demut und eine große Vision gehören zusammen