(Wie) geht: Einfach mal total authentisch sein?
Authentisch sein, das ist das Nonplusultra. Wenn Du authentisch bist, so die Idee, bist Du wahrhaft, voller Selbstvertrauen und wandelst unangreifbar durchs Leben. Kaum ein Post, der nicht erzählt, dass Authentizität der Schlüssel zum Erfolg ist.
Wer möchte da widersprechen?
Eine Herausforderung lässt sich indes beobachten: Wir tun uns mit dieser Authentizität mindestens genauso schwer wie das Zungenbrecherwort fehlerfrei auszusprechen.
Plus: Wie viele all derer, die meinen sich gerade authentisch zu geben, sind es wirklich?
Anders: Warum ist es am Ende doch schwer, diese vermeintlich leichte »Ich bin so wie ich bin, take it or leave it«-Attitüde überzeugend zu leben?
Weil wir dafür einen verdammten Deep Dive in unser Innerstes machen müssten. Raum und Zeit plus deren Inhalte mal weglassen und auf die das ureigenste »Wer bin ich?« zugehen.
Wer bin ich ohne Familie und Freunde, Haus und Auto?
Was treibt mich an, macht mich glücklich, hält mich aufrecht und macht mich stark?
Was macht mich traurig, müde, kraftlos und wirft mich aus der Bahn?
Das ist alles andere als einfach.
Das ist nicht im Handumdrehen zu beantworten.
Das ist Arbeit.
Das braucht Mut.
Das braucht den Willen, die profanen Dingen mal beiseite zu lassen und nur man selbst zu sein.
Keiner Ablenkung von außen erliegen – nicht durch die Timeline (auch, wenn sie mit ihren guten Ratschlägen zu helfen scheint), nicht durch ein belohnendes Essen oder den Kauf des hundertsten Shirts (oder Schuhe, ich weiß …).
Keine Bestätigungen von außen einholen – nicht durch einen klugen Post, den man auf Social Media einstellt und auf Likes giert, nicht durch das Gespräch mit Freunden, nicht durch die Abgabe einer Präsentation, die den Chef zu einem »Gut gemacht!« animiert.
Einfach mal nur sich selbst betrachten, sich selbst SEIN.
Dem Unterbewusstsein zuschauen, es haarklein und ehrlich analysieren.
Sich unangenehme Fragen stellen.
Sich selbst bei großen Freuden zuschauen.
»Warum bin ich gerade erfreut, eifersüchtig, unangenehm berührt, zufrieden, demotiviert, … ?« Hinter jeder dieser Emotionen steckt eine Antwort, die uns mehr zu uns selbst bringt.
Wer sich auf diese Reise zu sich selbst einlässt, wird das »Bei sich sein« als Erleichterung verspüren, als Stärke, als ein millionenschweres Konto, das niemals ausgegeben werden kann. Als Haus, das jeden Sturm übersteht, als Kleid, das nie aus der Mode kommt, als Freund, der immer da ist, als Freundin, auf die man sich vollständig verlassen kann.
Dann, ja, dann können wir unsere Authentizität leben, ausstrahlen und ein stückweit unangreifbar werden.
Und am Ende üben wir noch die fehlerfreie Aussprache ;)
Wie weit bist Du den Weg zu Dir selbst bereits gegangen?